Die loamdupfa
Nach Ludwig Kitzinger
aus dem Buch "Sagenhaft- Geschichten und Heimatsagen aus dem Simbach-, Kollbach- und Sulzbachtal"
Gesammelt und herausgegeben von der
heimatkundlichen Arbeitsgemeinschaft im BLLV. Arnstorf
1.Ausgabe 1961

Erweitert und verfaßt in alter Rechtschreibweise von
Rainer Gratz, Freya Vogl und herausgegeben von der
Interessengemeinschaft zur Förderung des Marktes Arnstorf und Umgebung e.V.
2.Ausgabe 2006

 


 

Vor langer Zeit berief der Bürgermeister des Marktes Arnstorf eine Gemeinderatssitzung ein. Die Ratsherren gingen zum Rathaus, um mit ihrem Bürgermeister zu beraten, wie viele Abgaben die Bürger im kommenden Jahr zu leisten haben.
Bevor die Sitzung begann, bat der Bürgermeister einen der Ratsherrn, die anwesenden Herren zu zählen. Es sollten mit dem Bürgermeister sieben Herren beraten. Der Ratsherr zählte, kam aber nur auf die Zahl 6. Nun zählte der zweite Ratsherr. Als er alle Anwesenden gezählt hatte, stellte er fest, daß die Versammlung nur aus sechs Bürgern bestand. So zählte jeder der Anwesenden und jeder kam aber nur auf die Zahl 6. Schließlich übernahm der Bürgermeister die Aufgabe des Zählers. Langsam und laut zählte der Bürgermeister jeden der Gemeinderäte, stellte aber ebenfalls fest, daß einer der Herren fehlte. So sehr die Ratsherren noch darüber nachdachten, wer von ihnen fehle, sie kamen nicht darauf. Nun gab der Bürgermeister dem Gemeindediener den Auftrag, von „Lehmhäuser“ einen großen Lehmpatzen zu holen. Während der Gemeindediener seinem Auftrag nachging, dachten die Gemeinderäte wiederum nach, wer wohl der Einladung des Bürgermeisters nicht Folge geleistet habe. Niemand kam auf eine Lösung. Endlich schaffte der Gemeindediener eine Lehmkugel herbei, so groß wie ein Kinderkopf. Nun wurde es still im Rathaus. Der Bürgermeister stellte fest, daß es bisher nicht möglich war, den abwesenden Ratsherrn namhaft zu machen. „Jeder von uns steckt den Daumen in die Lehmkugel. Aus der Zahl der Löcher werden wir deutlich erkennen, wieviele Herren hier sind“, sprach der Bürgermeister. Der Gemeindediener ging mit der Kugel zu jedem der Herren. Jeder drückte seinen Daumen tief in den Lehm, als wollte er damit seine Anwesenheit noch deutlicher erkennen lassen. Als letzter drückte voll Würde der Bürgermeister seinen Daumen in die Kugel. Und siehe! Die Zählung der Löcher ergab sieben. Somit waren alle anwesend.
Woher kam es nun, daß nur immer sechs Herren gezählt wurden? Jeder, der zählte, hat die anderen sechs, aber sich selbst nicht mitgezählt.
Seitdem erinnert sich jeder Gemeinderat, wenn er zu einer Sitzung zusammentritt und die Anwesenheit der Räte feststellt, mit Schmunzeln an jenen Gemeinderat mit der Lehmkugel.

Die Arnstorfer werden bis heute als „Loamdupfa“ verspottet und dank der Arnstorfer Faschingsfreunde, die sich selbst „d´Loamdupfa“ nennen, wird diese Geschichte immer in Erinnerung bleiben.